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“Mit Baumwolle ist es ja wie mit Rosen …": Textiler Aha-Moment von Otto Garne in Sachen Vielfalt

Unsere Kollegin Kathrin Wolf ist gleich am Anfang ihres Studiums zu einer wichtigen Erkenntnis gekommen: Mit Baumwolle verhält es sich wie mit Rosen, denn genauso wenig wie man von “der Rose” sprechen kann, gibt es “die Baumwolle”. Dass die Rosenvielfalt groß ist, dürfte jedem gelegentlichen Blumenkäufer klar sein. Und wer schon mal durch den Rosengarten der Insel Mainau gestreift ist und dort Blütenformen bewundert und Düften nachgespürt hat, kennt auch die Faszination dieser Vielfalt.

 

Aber Baumwolle?!

Allein schon bei der Pflanze gibt es große Unterschiede. Zwar gehört sie grundsätzlich zu den Malvengewächsen, aber je nach Anbaumethode kommt sie mit erheblichen Größenunterschieden daher: Zwischen 25 Zentimetern und zwei Metern Höhe ist alles drin. Meistens werden sie als einjähriges Gewächs gezogen, aber es gibt auch Regionen, die mehrjährige Sträucher vorziehen.

Auch bei den Rohfasern gibt es diverse Merkmale, die wichtig sind. Sie unterscheiden sich in Länge, Feinheit und Griff, Gleichmäßigkeit und Reinheit, Festigkeit sowie Farbe und Glanz. Die Faserlänge, zwischen 20 und 40 Millimeter, ist dabei das zentrale Qualitätsmerkmal. Unter Textilern spricht man hier von "Stapel" oder "Stapellänge". Die Fasern richtig hochwertiger Baumwolle, beispielsweise Sea Island, können bis zu 50 Millimeter lang sein. Giza- und Pima-Baumwolle bringen es auf eine Stapellänge von 40 Millimetern. Liegt die Faserlänge unter 20 Millimetern, wird es mit dem Verspinnen schwierig. Wir bei Gebr. Otto verwenden ausschließlich die langstapeligen und die extralangstapeligen Fasern, denn nur damit lassen sich unsere feinen Garne spinnen.

In punkto Feinheit liegt Baumwolle zwischen 1 und 3 dtex (gesprochen Dezitex = Gramm pro 10.000 Meter). Je länger die Faser, desto feiner – und je feiner, desto weicher ihr Griff. Im Verhältnis dazu steht die hohe Festigkeit der Rohbaumwolle. Bei der Reinheit geht es um Verunreinigungen durch Fremdkörper sowie unerwünschte Teile der Pflanze. 

Es gibt viele verschiedene Wildarten, aber für den industriellen Anbau sind vor allem zwei Arten Kulturbaumwolle von Bedeutung:

  • Gossypium hirsutum L., (Hochland-Baumwolle, Mittelstapel, 90% der weltweiten Baumwollgewinnung)
  • Gossypium barbadense L. (gebräuchliche Handelsnamen: Giza, Mako, Pima, Sea-Island; Lang- bis Extralangstapel, 8% der weltweiten Baumwollgewinnung)

Puh, ganz schön viele Aspekte. Und was muss man sich jetzt davon merken?

Am einfachsten sind die handelsüblichen Bezeichnungen von Baumwolle, die gewöhnlich nach Sorte und Herkunftsland gehen. Weil in den großen Anbaugebieten verschiedene Arten kultiviert werden, eignet sich das Herkunftsland nur bedingt als Qualitätsmerkmal. Schauen wir uns also die Sorten an: Da sind die langstapelige Pima-Baumwolle, beispielsweise aus den USA, Peru und Israel sowie die ägyptische Giza-Baumwolle. Die hochwertigste – und seltenste - Sorte ist Sea-Island-Baumwolle. Der Name ist eine Ortsbezeichnung und bezieht sich auf die Inseln vor den US-Bundesstaaten South Carolina und Georgia. Heute wächst die Luxus-Baumwolle ausschließlich auf den Inseln Barbados, Antigua und Jamaika in der Karibik.

Bleibt noch die Mako-Baumwolle, die man gerne in Kombination mit „super gekämmt“ liest. Allerdings kennen wir die schon: Mako-Baumwolle ist nämlich nur eine andere Bezeichnung für die ägyptische Giza-Baumwolle.

Ob es das auch bei den Rosen gibt? Eine Sorte, zwei verschiedene Namen?