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Grün, grün, grün sind alle meine Kleider – aber in mindestens 660 verschiedenen Tönen: ein Blick in die Färberei bei Gebr. Otto

 

Die Farbe des Tages ist grün, zumindest wenn man Ire ist oder Wurzeln auf der grünen Insel hat. Heute, am 17. März, wird der St. Patrick’s Day zu Ehren des irischen Bischofs Patrick gefeiert – und das natürlich in der Nationalfarbe. Die kommt meistens als ein sattes, dunkleres Grün daher. Etwas „giftiger“ wirken eingefärbtes Feiertagsbier oder der Chicago River, der eine Woche lang grün durch Chicago fließen soll .

 

 

Fashion-Freunde aufgepasst: Grün wird Trendfarbe 2023

 

Grün ist also nicht gleich grün. Nicht, dass uns das bei Gebr. Otto überraschen würde. Der Standardfarbkatalog unserer Färberei umfasst 660 verschiedenen Grüntöne und 6.300 Farben insgesamt. Und das sind längst nicht alle: Sabine Philippi, Leiterin der rund 20 Mitarbeiter starken Färberei bei Gebr. Otto, erklärt: „Jeder Kunde hat seine eigene Farbpalette, die sich je nach Kollektion wieder ändert. Im Durchschnitt gibt es jedes halbe Jahr etwa 20 neue Farben.“

 

Speziell zum Thema Grün verrät sie noch ein kleines Trendgeheimnis: „Wir dürfen davon ausgehen, dass wir im Sommer 2023 viel grün tragen werden.“ Was macht Sie da so sicher, Frau Philippi? „Ganz einfach, wir färben derzeit viele leuchtende Grüntöne. Erfahrungsgemäß stellen wir die Farben der Kollektionen des Folgejahres her.“ Dieser lange Vorlauf von 12 bis 18 Monaten sorgt wiederum dafür, dass Jahreszeiten in der Färberei von Gebr. Otto keine Rolle spielen.

 

 

Deutlich komplexer als Ostereierfärben

 

Unabhängig von Trends und Jahreszeiten fragen Kunden die Farben Weiß, Schwarz, Braun und Marine nach. Dabei gilt: Dunkle Töne sind aufwendiger herzustellen als helle. Für einen dunklen Farbton braucht es rund 12 Stunden Arbeitszeit, für einen hellen etwa zehn. „Grundsätzlich ist der Prozess eben viel komplexer als beim Ostereierfärben“, stellt Sabine Philippi schmunzelnd fest und erklärt: „Im ersten Schritt prüfen wir, ob das angelieferte Garn auf geeigneten Färbehülsen steckt. Dann stufen wir es ein. Das ist wichtig, schließlich handelt es sich speziell bei Baumwolle um ein Naturprodukt mit entsprechenden Varianzen. Baumwolle ist schmutzig, den Schmutz müssen wir erst mal beseitigen und das Garn zugänglich machen. Danach prüfen wir, ob wir die gewünschte Farbe schon mal gefärbt haben. Wenn nicht, entwickeln wir das Rezept, mit dem wir die gesamte Partie färben. Danach waschen wir sie aus, fixieren die Farbe und behandeln das Garn so, dass es einen weichen Griff bekommt.“ Der Trocknungsprozess erfolgt im Anschluss; seine Dauer variiert je nach Gerät.

 

 

Die Qualität zeigt sich (auch) im Schwarz

 

Besonders anspruchsvoll zu färben seien die unbunten Farben, also Weiß, Schwarz und alle Graustufen, erklärt Färbereileiterin Philippi. Der Grund ist leicht nachvollziehbar: Hat ein Grauton einen Rot-, Blau-, Grün- oder Gelbstich, erkennt das selbst der Laie schnell. Auch bei der dunkelsten aller Farben gilt: Schwarz ist nicht gleich schwarz. Ob hingegen ein Rot etwas röter ist oder nicht, fällt nicht so schnell auf. Und auch grün bleibt manchmal einfach grün, am Saint Patrick’s Day allemal – ob im Bierglas, im Chicago River oder am Ende womöglich als Gesichtsfarbe …