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"Stroh zu Gold": Warum Spinnen im Märchen mindestens so wichtig ist wie der böse Wolf

Aktionstage gibt es für alles und jeden. Am 26. Februar beispielsweise ist der „Erzähle-ein-Märchen-Tag“. Klar, kurios – und doch sind wir von Otto an diesem Tag hängen geblieben. Wir hatten sofort mindestens ein Märchen im Kopf, in dem das Spinnen eine große Rolle spielt. Das Thema konkurriert bei Gebrüder Grimm & Co. durchaus mit dem bösen Wolf: Dornröschen sticht sich an einer Spindel, um in einen 100-jährigen Schlaf zu fallen, die Müllerstochter im Rumpelstilzchen muss Stroh zu Gold spinnen und bei Frau Holle spinnt die fleißige Tochter, bis ihr die Hände bluten. Und das sind nur die bekanntesten Beispiele. Mit ein bisschen Suchen sind wir auf einige weitere gestoßen, darunter beispielsweise „Die drei Spinnerinnen“.

 

Deshalb waren wir neugierig, warum unsere Arbeit, das Spinnen, so ein starkes Motiv im Märchen ist. Unsere Recherche hat ergeben, dass das in der Mythologie begründet liegt. Die Muttergöttin oder Schicksalsgöttin in ihrer Dreigestalt – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – bestimmt den Lebensfaden. Die erste Schicksalsgöttin spinnt ihn, die zweite, oft die Liebesgöttin, teilt das Lebenslos zu – sie verwebt den Faden – und die dritte, die weise Alte, schließlich schneidet den Lebensfaden schließlich durch. Die Story ist universell, auch wenn die Schicksalsgöttinnen unterschiedliche Namen haben: in der germanischen Mythologie sind es die Nornen, in der römischen die Parzen und in der griechischen die Moiren.

 

Die Idee der spinnenden Göttin findet sich übrigens auch in Gestalt der Frau Holle. Neben der Figur aus dem gleichnamigen Märchen tritt sie in verschiedenen Sagen und Mythen als Spinnerin auf, die den Lebensfaden spinnt, zuteilt und abschneidet. Oft wird Frau Holle daher als „Muttergöttin“ bezeichnet, zuständig unter anderem für die Jahreszeiten. Und jedes Kind weiß: Wenn Frau Holle die Betten aufschüttelt, dann schneit es.

 

 

So viel zum Thema Märchen und Mythologie für heute. Mit dem bösen Wolf beschäftigen wir uns ein andermal 😉.

 

 

Wer wissen will, woher wir unsere Weisheiten haben:  

 

https://www.taste-of-power.de/frau-holle-ursprung/

 

https://geschichtenerzaehler.in/2020/11/24/das-geheimnis-der-raunaechte-2/

 

https://symbolonline.de/index.php?title=Spinnen

 

 

Gut gefallen hat uns auch dieser Blogbeitrag. Hier geht’s weniger um die Herkunft des Motivs, sondern um die Funktion des Spinnens in den Märchen.

 

https://retellingthetales.com/spinning-in-fairy-tales-the-good-the-bad-and-the-ugly/

 

Photo by Natalia Yakovleva on Unsplash