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Nachgefragt bei Andreas Merkel: Muss Nachhaltigkeit Verzicht bedeuten?

Heute ist Aschermittwoch, Ende der Faschingszeit oder der Fasnet, wie sie im Schwäbischen rund um Ulm heißt. Dieser Tag markiert auch den Beginn der Fastenzeit. Viele Menschen nutzen die kommenden 40 Tage für einen bewussten Verzicht, sei es auf Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol, oder auch Konsum. Wir haben uns zu diesem Anlass mit Andreas Merkel, Geschäftsführer von Gebr. Otto, unterhalten.

 

Herr Merkel, haben Sie etwas, das Sie bis Ostern bewusst aus Ihrem Alltag streichen wollen?

Naja, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach … Spaß beiseite: Ich werde in der Fastenzeit auf nichts gezielt verzichten. Dafür ist mir bewusster Konsum grundsätzlich wichtig, auch außerhalb der Fastenzeit. Ich gehe gerne auf den Wochenmarkt, kaufe regional ein. Wenn ich will, dass die Kühe auf der Weide stehen und die Hühner an die frische Luft kommen, dann muss ich regionale und Bio-Produkte wählen. Alles, was wir kaufen oder tun, hat eine Auswirkung auf die Welt, in der wir leben. Dieses Bewusstsein möchte ich auch meinen Kindern mitgeben.

 

Manche Menschen wollen in der Fastenzeit auf Konsum verzichten. Shopping-Detox ist ein Stichwort, das viel mit dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit zu tun hat. Wie sehen Sie das: Muss Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig auch weniger bedeuten?

Die Textilindustrie gehört zu den größten Industrien der Welt, ihr Impact ist enorm – und er wächst weiter. Allein der weltweite Faserverbrauch hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die Mengen an produzierter Kleidung steigen. Gleichzeitig sinkt deren Qualität. Kürzlich habe ich in der @Südwestpresse einen Bericht über die Altkleidersammlung gelesen: Nur noch gut 50 Prozent der abgelegten Kleidung sind überhaupt weiter zu verkaufen, der Rest ist schlicht Abfall. Am Ende ist Spenden teurer als Entsorgen. So hat es die @Tagesschau auf den Punkt gebracht. Das hat mich schockiert.

Trotzdem ist Nachhaltigkeit meines Erachtens nicht nur über ein „weniger“ zu erreichen. Vernünftige Kreisläufe können eine Lösung sein, technische wie biologische. Letzteren verfolgt die Firma @Trigema seit längerem mit Erfolg. Das Cradle-to-Cradle-Prinzip besagt, dass Produkte nie zu Abfall werden brauchen. Dazu müssen sie unter anderem aus unkritischen Substanzen bestehen, in der Herstellung keine unverwertbaren oder giftigen Substanzen erzeugen – und insgesamt von besonders hoher Qualität sein. An seinem Lebensende kann sich das Produkt dann wieder in den Kreislauf einfügen.

Mit unserer Qualität recot2 gehen wir bei Otto den Weg eines technischen Kreislaufes: 25 Prozent dieses Baumwollgarns stammen aus recycelten Produktionsabfällen, also Webkanten, Spulenresten und so weiter. Für die anderen 75 Prozent verarbeiten wir ausschließlich hochwertige Bio-Baumwolle. recot2  kann damit auch in ein Cradle-to-Cradle -Prinzip einfließen; dann stammt schon der Inhaltsstoff meines Produkts teilweise auf einem geschlossenen Kreislauf.

Ein weiterer wichtiger Schlüssel ist für mich das „passgenauer“. Eine bedarfsgerechtere Textilindustrie anstatt großer Mengen, die am Ende gar nicht verkauft werden können. Das ist meines Erachtens auch eine große Chance einer europäischen Lieferkette: Wir können kurzfristig agieren und bedarfsgerecht liefern. Das wird belohnt, das haben wir in der Corona-Zeit gesehen, allein mit der Maskenproduktion.